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Glossar

Im textilen Sprachgebrauch existieren oftmals die unterschiedlichsten Begriffe für ein und dieselbe Sache. Verschieden Firmen haben Bezeichnungen geprägt, die oftmals nur für das von Ihnen hergestellte Produkt gelten, teilweise ohne Rücksicht auf geltende gebräuchliche Definitionen.

Beiliegendes Glossar bezieht sich auf den z. Zt. gültigen Sprachgebrauch unter besonderer Beachtung DIN- und dudengerechter Definitionen und versucht etwas Ordnung in das Wirrwarr zu bringen. Daher beschränkt es sich nur auf das Wesentliche und die auf der Homepage vorkommenden textilen Begriffe.

Es erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf 100-prozentige Übereinstimmung mit anderen Definitionen.

Die verschiedenen Bindungsbezeichnungen stehen oftmals gleichlautend auch für die Gewebe, die mit dieser Bindungskonstruktion hergestellt werden. In keinem Fall setzt die Bezeichnung ein bestimmtes Material oder Materialkomposition voraus.

Das Glossar ist ein lebendes Instrument und wird ständig ergänzt.


Brokatdamast

Falsche und irreführende Bezeichnung für die verschiedenartigsten bunten Gewebe - nicht von der CIETA legitimiert


Brokat

Sammelbezeichnung für meist reich gemustertes Gewebe mit gold- und silberfarbenen Fäden ohne Bezug auf die Gewebekonstruktion


Brokatelle

Lampasartige Gewebeform, in der Regel gekennzeichnet durch einen Grund mit Köperbindung aus Lancierschüssen, die durch eine Bindekette abgebunden werden. Es entstehen durch den Einsatz verschiedener Bindungen reliefartige Oberflächen, verstärkt durch einen groben Grundschuss.²


Broschierte Gewebe

Gewebe mit zusätzlich ins Gewebe eingetragenem, "unendlichen", am Rande der jeweiligen Figur umkehrenden Musterungsschusses, d. h. begrenzt durch die Form des Motivs.


Côteline

Bindungskonstruktion mit abwechselnd erhöhten oder vertieften Quer- bzw. Längsstreifen, die durch unterschiedlich starkes Kett - oder Schussgarn erzeugt werden - cordartig. Meist werden die Querstreifen mit einem Jacquardmuster kombiniert.

In der Regel besteht ein Côteline aus Bindekette und Bindeschuss sowie Figurkette und Rippenschuss. ³


Damast

Bindungskonstruktion bzw. Gewebe mit einem Kett- und einem Schusssystem, bei dem das Muster durch den Wechsel der gleichen Bindung einmal im Schuss und einmal in der Kette gebildet wird. Im klassischen Sinne durch gegenläufigen Kett- und Schusssatin. Durch die früher übliche Verwendung eines Vordergeschirrs entsteht die charakteristische treppenartige Abstufung, die heute gleichwertig durch den Einsatz von hochplatinigen Jacquardmaschinen entsteht.


Garnnummer

Feinheitsgrad des Garnes

1.      Denier (Td)

Gewichtsnummerierung

Die Nummer gibt bei einem Faden mit konst. Länge (9.000 m) das Gewicht in Gramm an.

Üblich bei reiner Seide und allen Filamentseiden

2.     Nummer metrisch (Nm)

Längennummerierung

Diese Nummerierung gibt die Länge des Fadens in Metern bei einem Gewicht von 1 g an.

Angewendet für alle Stapelfasern und gesponnenen Garne - DIN 60 910

3.     Titer tex (Tt)

Gewichtsnummerierung

Diese Nummerierung gibt das Gewicht des Fadens auf einer konst. Länge von 1.000 m an.

DIN 60905


Gros de Tours

Bindungskonstruktion in Leinwand, aber der Schuss besteht im gleichen Fach immer aus zwei  Fäden. (abgeleitete Leinwandbindung)


Handgewebt

Ausschließlich den Geweben vorenthalten, in denen Schusseintrag und die Schaftbewegung bzw. Jacquardmaschine bzw. der Zampel mit Muskelkraft mechanisch bewegt und gesteuert werden.


Ikat

Das Material für diese Gewebe wird fadenscharweise mit Hilfe von Reservierungen stellenweise so gefärbt, dass sich beim Weben dementsprechende Muster bilden.


Jacquardgewebe

Sammelbegriff für alle Gewebe, für die musterungstechnisch eine Jacquardmaschine benötigt wird.


Jacquardmaschine

Vorrichtung zur mechanischen oder elektronischen Steuerung der Kettfäden zur Erzeugung einer hohen Musterungsvielfalt. Die für Breitwebmaschinen niedrigste Platinenanzahl liegt bei 384 einzeln steuerbaren Fäden - bis zu Größenordnungen von 20.000 Kettfäden.


Köper, Twill, Serge

Grundbindung auf der Basis von drei oder mehr Kettfäden und drei oder mehr Schussfäden. Jeder Kettfaden bindet über oder unter zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Schussfäden und unter oder über dem nächstfolgenden oder mehreren Schussfäden.


Kopie

Nachbildung eines Originals durch fremde Hand4 - immer auf den derzeit vorliegenden aktuellen Zustand bezogen.


Lampas

Mehrbäumiges gemustertes Gewebe. Die musterbildenden Schüsse flottieren entsprechend des Musters auf der Oberseite und werden durch die Bindekette zusätzlich abgebunden, der Grund besteht aus Hauptkette und Grundschuss.


Längsrips

Gewebe mit einer Rippenbildung in Längsrichtung, bei dem zwei, drei, vier oder auch mehr Kettfäden nebeneinander bei einem Schuss hoch - und beim nächsten Schuss tiefbinden.


Leinwand

Bindungsart, früher auch Kattun-, Musselin-, Tuch- oder Taftbindung genannt. Es überdecken bei dieser Bindung alle ungeraden Kettfäden den ersten, alle geraden Kettfäden den zweiten Schuss. Bei den nächsten Schüssen wiederholt sich dieser Vorgang, der Rapport ist also zweifädig.

 


Moiré

Durch das spezielle Pressen der Rippen im Gewebe entstehender Effekt.

Moiré, echter oder natürlicher, wird hergestellt mittels doppelter Gewebelage, beim Pressen werden die Rippen an den sich überkreuzenden Stellen flach gedrückt und dadurch glänzend.

Moiré antik, wird erzeugt mittels doppelter Gewebelage (halbierte Gewebebreite), hat ausgeprägte, symmetrisch zum Rückenbruch, aber sonst regellos verlaufende Adern.

Moiré renaissance (Spiegelmoiré) hat ebenfalls ausgeprägte, symmetrisch zum Rückenbruch verlaufende Adern, hier aber mit dazwischen glänzendem, plattenartigem Schiller.

Moiré francaise, Streifenmoiré, hat moirierte Längsstreifen.

Moiré, unecht oder geprägt, wird gedruckt oder mit Gaufrierkalander erzeugt. Im Gegensatz zum echten Moiré zeigt er eine rapportmäßige Wiederholung des Musters. Gleiches trifft zu für den

Moiré jacquard.


Pékin

Gewebe mit parallelen Längsstreifen in verschiedenen Bindungsformen.²


Querrips

Gewebeart in abgeleiteter Leinwandbindung.


Rekonstruktion

tatsächliche Wiederherstellung eines verlorengegangenen ursprünglichen Zustandes4. Auch im Textil erreicht die Rekonstruktion in keinem Fall 100% des Originals - über den Grad der möglichen Annäherung gibt der Soll-Ist-Vergleich Auskunft.


Replik

authentische Wiederholung eines Kunstwerkes durch seinen Schöpfer4


Replikat

Kunstwissenschaftliche Nachbildung eines Originals (DUDEN), nicht zwingend die Nachbildung des gewesenen Originalzustandes


Satin (Atlas)

Bindungsart mit nur einem Ketthochgang (Schussatlas) oder einem Ketttiefgang (Kettatlas) im Rapport. Die Bindepunkte sind nach einer bestimmten Ordnung im Rapport verteilt und dürfen sich gegenseitig nicht berühren.


Seide (1)

Bezeichnung für Sekrete in Fadenform, die von verschiedenen Tieren ausgeschieden werden. Besonders gebraucht für Produkte der Seidenraupen.

1. chemische Formel und Begriffsbestimmung °

Seide besteht aus dem Eiweiß Fibroin. Die sich wiederholende Folge der Aminosäuren lautet Gly-Ser-Gly-Ala-Gly-Ala, so dass sich folgende Strukturformel ergibt:

 

Neben dem Hauptbestandteil Seidenfilament sind in Seide weitere Anteile enthalten. [10]

Bestandteil

Anteil

Seidenfilamente (schwefelfreies, hochpolymerisches Eiweiß)

70-80 %

Seidenbast

20-30 %

Wachsbestandteile

0,4-0,8%

Kohlenhydrate

1,2-1,6 %

Naturfarbstoffe

0,2 %

weitere organische Bestandteile

0,7 %


Physikalische Daten entbasteter Seide

Eigenschaft

 

Dichte

1,25 g/cm³

Faserdicke

12-25 µm

Reißlänge

50 km

Im Vergleich zu Stahl nachsehen! Zugfestigkeit

350 MPa

Dehnung

24 %

Elastizitätsmodul

der höchste aller Naturfaserstoffe

Feuchtigkeitsaufnahme

< 30 % des Eigengewichts

Nassfestigkeit

ca. 85 % der Trockenfestigkeit


²
Als Seidenfaden wird vorwiegend der Faden der

Seidenraupe (bombyx mori)

bezeichnet. Sie scheidet bei der Verpuppung aus Ihren 2 Spinndrüsen je einen aus

Fibroin (ca. 75%) bestehenden Kernfaden,

Brin aus. Diese Fäden sind mit einer leimartigen Substanz, dem

Seidenleim, Bast oder Serizin (ca. 25%) umgeben. Beide Bestandteile zusammen ergeben den

Kokonfaden, aus dem die Raupe den

Kokon spinnt.

Die abgehaspelten Fäden bilden den

Grége, genannt auch

Bastseide,

Haspelseide oder

Rohseide. Nach dem Entbasten, dem Entfernen des Seidenleims, erhält man die

entbastete Seide.

Fäden aus Doppelkokons (zwei Larven) oder zusammengewachsener Kokons heißen

Doupion, sie bestehen aus ungleichmässigen, gregeartigen Fäden.

Grégefäden verzwirnt (muliniert) sind

Mulegarne.

Man unterscheidet folgende Mulegarne nach der Art Ihrer Herstellung:

Pelseide, ein um sich selbst stark oder schwach gedrehter Grégefaden

Trame, zwei oder mehrere leicht miteinander verdrehte Grégefäden,  als Schußmaterial verwendet

Kreppgarn, zwei oder mehrere äußerst hoch verdrehte Grégefäden (Z- und S-Drehung)

Organsin, zwei oder mehrere miteinander verdrehte Pelfäden. Die Zwirnung verläuft in entgegengesetzter Richtung zum einzelnen Pelseidenfaden = Kettseide

Kordonett.  Zwei oder mehrere dicke Zwirnfäden, die in Gegenrichtung der einzelnen Fäden miteinander verdreht sind.

Flockseide, die von der Oberseite der Kokons gebürstete Seide und andere Abfallseide wird im Kammgarnspinnverfahren zu

Florettseide oder Schappeseide versponnen.

Die Abfälle der Schappespinnerei werden zu

Bouretteseide versponnen.

Eine der gebräuchlichsten Wildseiden ist die

Tussahseide, hergestellt aus den Kokons des Tussahspinners (Anthersen).

Daneben kennt man auch die

Muschelseide, aus den Sekreten der Steckmuschel, die Seide des Eichelspinners.


Seide (2)

Bezeichnung für Stoffe aus Seide - dieser Begriff ist ungenau und sollte besser Seidengewebe, Seidengewirke etc. heißen.


Uni-Schaftgewebe

In der Regel bis 16 - möglich aber auch bis 32 Schäfte (heute nicht mehr üblich), d. h. kleingemusterte oder glatte Gewebe (bis zu 32 einzeln steuerbaren Kettfäden/Rapport)


Zampelstuhl

Handwebstuhl mit handgezogenem Harnisch.


 

² Ausführungen beruhen auf, teilweise gekürzt und verändert,

C.I.E.T.A.

Vokabular der Textiltechniken - Deutsch

Centre International dètude des textiles anciens,

rue de la Charite - Lyon 2 e

1971

³ Staengle bd. 4 S. 643

° Wikipedia - die freie enzyklopädie

Duden - Die deutsche Rechschreibung

Textillexikon. Hrsg. Hugo Glafey. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Berlin. 1937

4Nach Lexikon der Kunst 2004 E.A.Seemann Verlag, Leipzig